Legitimer Protest im Dannenröder Forst

Psychologists for Future appellieren für Gewaltfreiheit und Sicherheit

Die Psychologists/Psychotherapists for Future (Psy4F) unterstützen die Ziele der Aktivist*innen im Dannenröder Forst: Eine Verkehrspolitik, die zu Lasten der verbliebenen hochwertigen Naturflächen weiterhin auf einen Ausbau von Autobahnen setzt, verhindert das Erreichen der Nachhaltigkeitsziele, zu denen sich Deutschland bekannt hat.

In den vergangenen Wochen sind während der Räumungsarbeiten im Dannenröder Forst durch das Einwirken der Einsatzkräfte mehrfach junge Menschen aus großer Höhe abgestürzt und haben sich schwer verletzt. Wir sind tief betroffen und fühlen mit ihnen und ihren Angehörigen.
Die Psy4F appellieren an Polizei und Aktivist*innen, den Protest gewaltfrei zu halten. Die Einsatzkräfte müssen Übergriffe vermeiden und die Sicherheit der Aktivist*innen gewährleisten.
„Die Aktivist*innen kämpfen für ihre Zukunft und die Zukunft unseres Zusammenlebens, dies schließt die Einsatzkräfte und ihre Familien mit ein“, sagt Katharina van Bronswijk, Sprecherin der Psy4F. Christoph Hausmann, selbst bei der psychologischen Nachbetreuung von Klimaengagierten im Dannenröder Forst aktiv, ergänzt: „Die Situation vor Ort ist extrem belastend, wir sind in großer Sorge um die psychische wie auch körperliche Gesundheit der Menschen. Das Vertrauen in Polizei und staatliche Institutionen wird durch diese Erlebnisse schwerwiegend erschüttert.“

Der aktuelle Bericht der Bundesregierung zur Artenvielfalt in Deutschland zeigt, wie groß der Druck auf Naturräume ist, und wie weit wir die Nachhaltigkeitsziele verfehlen. Studien, wie die zuletzt vom Wuppertal Institut veröffentlichte, zeigen, dass die Transformation zu einer nachhaltigen Lebensweise deutlich beschleunigt werden muss, wenn wir den Erhalt unserer Lebensgrundlagen sichern wollen.  Dies kollidiert mit langwierigen Genehmigungsverfahren für Infrastrukturprojekte. Der Dannenröder Forst wird so zum Schauplatz für einen gesellschaftlichen Konflikt, der auf anderer Ebene gelöst werden müsste. Die Psychologists/Psychotherapistst for Future fordern ein Moratorium der Rodungen, bis diese Klärung herbeigeführt werden konnte

„Wenn unsere gewählten politischen Vertreter*innen solche grundlegenden, folgenreichen Fehlentwicklungen wider besseren Wissens unkorrigiert lassen, kann es notwendig und legitim werden, gewaltfreien zivilen Widerstand zu üben“, sagt Lea Dohm, Mitgründerin der Psy4F. „Er ist eine Form des Protestes, die niemand leichtfertig auf sich nimmt. Die demokratische Ordnung lässt dies zu. Dabei ist gewaltfreier Widerstand eine belastende Gratwanderung für die Aktivist*innen und für die Polizei.“

Eine respektvoller, auf Sicherheit fokussierender Umgang sollte aus Sicht der Psy4F für alle Beteiligten die Leitmaxime sein. Es ist die gemeinsame Sorge um das Wohl unseres Landes, welches Aktivist*innen und Polizei verbindet.