Liebe Psychologists for Future,

wahrscheinlich kennt ihr Lützerath bereits aus diversen Nachrichten.
Lützerath ist akut davon bedroht, RWE und dem Tagebau Garzweiler zum
Opfer zu fallen. Hier entscheidet sich auch, ob Deutschland seinen
Beitrag zur Einhaltung der 1,5-Grad-Grenze einhalten kann (s. Gutachten,
https://www.econstor.eu/handle/10419/236743). Trotzdem möchte RWE
Lützerath weiter abbaggern. Einige der Bewohner*innen sind dem Druck
RWE’s bereits gewichen. Schlagen die Bewohner*innen die Entschädigungen
RWE’s aus, können sie mittels Entscheidung des Verwaltungsgerichts
Aachen enteignet werden. Der Landwirt Eckhardt Heukamp wehrt sich jedoch
gegen seine drohende Enteignung: Er legte vor dem
Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster Beschwerde gegen die Entscheidung
des Verwaltungsgerichts Aachen ein.

Eckhardt Heukamp kämpft aber nicht allein: Auf mehrerer seiner Wiesen
haben zahlreiche Aktivisti ihre Zelte aufgeschlagen und Baumhäuser,
sowie Holzhütten gebaut. Das Leben auf dem Camp ist geschäftig und bunt
– ständig wird irgendwo gesägt und gehämmert, Gemüse für die Küche
für alle geschnibbelt und Plena zur weiteren Organisation abgehalten.
Das Camp ist auch ein Ort, an dem ein Leben abseits gesellschaftlich
bestehender Machtstrukturen ausprobiert werden kann. Vom Camp aus
verteidigen die Aktivisti die 1,5-Grad-Grenze und blockieren die
Straßen, wenn RWE Material zum Abriss nach Lützerath transportieren
möchte. Da der Winter vergangene Wochen mit schnellen Schritten ins Land
gezogen ist, haben die Aktivisti zuletzt auch zwei Häuser besetzt, um
warme Schlafplätze zu schaffen.

Durch den Eilantrag Heukamps beim OVG Münster wurde die Enteignung
am 01.11. vorläufig auf den 07.01.21 verschoben. Bis spätestens dahin
fällt das OVG sein Urteil. Durch den Druck der Aktivisti vor Ort hat RWE
zugesichert, bis zum Urteil des OVG auf den Flächen Heukamps nichts
abzureißen. Der Widerstand wirkt! Allerdings können sich die Aktivisti
nicht ausruhen – RWE versucht immer wieder, die Häuser und Bäume, die
sich schon in ihrem Besitz befinden abzureißen.

Wir Psychologists for Future unterstützen das Awareness-Team und die
Aktivisti durch Beratung und emotionalen Support. Aktuell richten wir
eine Hotline ein, über die Aktivisti mit Gesprächsbedarf uns
niedrigschwellig erreichen können. In den vergangenen Wochen waren wir
auch immer wieder vor Ort, um uns mit dem Awareness-Team auszutauschen,
oder um zu demonstrieren und beim Aufbau der Strukturen mitzuhelfen. Wir
machen auch über unsere Social Media Kanäle immer wieder auf die
Ereignisse in Lützerath aufmerksam und versuchen, Menschen zu
mobilisieren, nach Lützerath zu fahren.

Lützerath ist nicht nur ein Ort, an dem die 1,5-Grad-Grenze bedroht
ist. Es ist auch ein Ort, der zur Kante eines sozialen Kippunkts werden
kann. Über das politische Spektrum hinweg wecken die Ereignisse zu Recht
ein breites Ungerechtigkeitsempfinden. Bringt daher Lützerath und die
Wichtigkeit des Bestehens immer wieder ins Gespräch! Es kann zu einem
wichtigen Entscheidungspatt für die Regierung und RWE dienen – und
nicht zuletzt das Leben unserer und kommender Generationen vor einer
verschärften Klimakrise bewahren.

Kommt daher mit uns nach Lützerath, um mit uns Präsenz zu zeigen und es vor dem Abriss zu bewahren!
 

Wir freuen uns auf euch!


Update vom Januar 2022: Das Oberverwaltungsgericht Münster hat die Entscheidung über das Dorf Lützerath bis auf Weiteres ver­schoben, d.h. die Zukunft der Menschen vor Ort und die Zukunft der 1,5-Grad-Grenze bleibt weiter ungewiss. 

Mindestens bis zum Gerichtsurteil ist RWE in Lützerath verpflichtet, mit den Kohle-Baggern keine weiteren Häuser zu zerstören. Akut abrissbedroht sind allerdings die Teile Lützeraths, die sich bereits in Besitz von RWE befinden.