Psychologists/Psychotherapists for Future e.V. (Psy4F) sind erschrocken angesichts der Konsequenzen des Urteils des OVG Münster vom 28.03.2022. Das Urteil erlaubt dem Energiekonzern RWE, das Dorf Lützerath nun vollständig abzureißen und die Wälder für das weitere Fördern klimaschädlicher Braunkohle zu roden. Nach Einschätzung der Psy4F verdeutlichen dieses Urteil und dessen Begründung, dass die Gesetzeslage in Deutschland nach wie vor die Belange des Klimaschutzes zu wenig berücksichtigt. Wir sehen hier einen dringenden Handlungsbedarf seitens der Politik. Das Urteil frustriert Millionen von Menschen, die sich allein in Deutschland für eine ange­messene Priorisierung der Klimakrise einsetzen.

Das Dorf Lützerath, das am Rande des Tagebaus Garzweiler II liegt, wird aktuell ein Symbol für die deutsche Klimapolitik. In der Begründung zur vorzeitigen Besitzeinweisung des Oberverwaltungsgerichtes Münster spielt der Klimaschutz überhaupt keine Rolle mehr. Das zeigt, dass die gesetzlichen Regelungen akut unzureichend sind, um unser Überleben langfristigen zu schützen. Nach Aussage des DIW (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) darf der Tagebau nicht erweitert werden, um die vom Bundestag als notwendig bestätigte Grenze der Erderhitzung von 1,5°C noch einhalten zu können. Die Zerstörung Lützeraths ist weder wirtschaftlich noch energiepolitisch notwendig. Angesichts der vielen Krisen in Zusammenhang mit fossilen Brennstoffen ist die weitere Förderung von Braunkohle niederschmetternd für die Hoffnung der Menschen in Deutschland, dass Politiker*innen die Dringlichkeit der Klimakrise beachten. Nur eine Drosselung des Energiebedarfs der Industrie und ein schneller Umstieg auf erneuerbare Energien können uns aus dieser Situation helfen – nach Einschätzung der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina ist ein sofortiger Importstopp aus Russland „handhabbar“.



Monika Krimmer, Fachärztin und Psychoanalytikerin, Mitglied bei den Psychologists for Future, sagt dazu „Die Klimakrise darf angesichts des Krieges nicht aus dem Blick geraten, denn die Abhän­gigkeit von fossilen Energien schürt Konflikte und Kriege: Erneuerbare Energien sind Friedensenergien“.

Simone Riemenschneider, ergänzt „Aus kinder- und jugendpsychotherapeutischer Sicht ist es mehr als fahrlässig, die jüngere Generationen mit diesem Urteil abzuspeisen. In und um Lützerath setzen sich junge, engagierte Menschen absolut friedlich für ihre (und unsere) Zukunft ein. Wenn die Politik und die Bevölkerung das Urteil so stehen und RWE dort räumen lassen, droht ein enormer Vertrau­ensverlust in die Politik und das Signal, dass die Interessen Einzelner dem Gemeinwohl vorgezogen werden.“

Solchen Gefühlen von Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit, einen falsch eingeschlagenen Weg nicht mehr ändern zu können, wollen die Psy4F Handlungsoptionen entgegensetzen und unterstützen deshalb die Forderung der Bundestagsabgeordneten Henneberger nach einem Moratorium für Lützerath. Psy4F möchten auf die enorme, nicht nur symbolische Wichtigkeit dieser Gerichtsentscheidung hinweisen. Die Politik hat es jetzt in der Hand, Entscheidungen für unser aller Zukunft zu treffen und Lützerath zu bewahren.

Psy4F ist ein internationales Bündnis von Psycholog*innen und Psychotherapeut*innen. Seit der Gründung im April 2019 sind sie aktiv in der Beratung und Begleitung von Klimaengagierten, in der Durchführung von Workshops, Fortbildungen und weiteren Veranstaltungen. In Deutschland sind derzeit ca. 40 Regionalgruppen mit insgesamt ca. 1000 Kolleg*innen aktiv. Seit Februar 2022 sind Psy4F ein eingetragener gemeinnütziger Verein.



Als Ansprechpartnerin steht Ihnen gerne Lea Dohm Telefonnummer 015773361605 zur Verfügung.