Öffentliche Kommunikation der Klimakrise

Hinweise zur öffentlichen Kommunikation

Seit vielen, vielen Jahren werden wissenschaftliche Vorträge über das Thema Klimakrise gehalten. Es werden politische Reden gesprochen und Plakate aufgehängt. Lange wurden diese Vorträge und Reden in kleinen, wissenschaftlichen Kreisen gehalten, die dann politisch nach außen getragen wurden. Mittlerweile erleben wir Vorträge über das Thema auch in unserem etwas alltäglicherem Leben. Auf Fachtagungen, in der Universität, in der Schule, am Arbeitsplatz, manchmal auch im Freundeskreis.

Gerade mit den Parents4Future und ihrer neuen Informationskampagne hat sich eine Bereitschaft gezeigt, Menschen ohne wissenschaftlichen Hintergrund dafür auszubilden, erfolgreiche Vorträge über „Die Klimakrise und was wir tun können“ zu halten. Gleichzeitig erleben wir eine Verschiebung des Kommunikationsfokus von wissenschaftlicher Präzision hin zu emotionaler Ansprache, insbesondere innerhalb der for-Future-Bewegungen. Es gilt der Tenor: „Die Kommunikation rein über Sachwissen und wissenschaftliche Fakten hat in den letzten 30 Jahren nichts bewegt. Menschen brauchen mehr als Faktenwissen, sie müssen die Bedrohung spüren.“ 

Diese Veränderungen zum Anlass nehmend, beschäftigt sich eine Gruppe der Psychologists4Future mit dem Thema öffentliche Kommunikation und beleuchtet dabei verschiedene Aspekte, u.a.:

  • Wie können wir möglichst gut öffentlich über die Klimakrise sprechen?
  • Wie können wir Dringlichkeit und Problembewusstsein vermitteln, ohne zu verschrecken und Hilflosigkeit auszulösen?
  • Wie können wir dabei verschiedene Zielgruppen ansprechen?
  • Wie können wir unsere zentrale Message so kommunizieren, dass wir unser Ziel erreichen und was ist eigentlich unser Ziel?

Ziele

Ziele von öffentlicher Kommunikation können sehr vielfältig sein und sich bewusst zu werden über das Ziel des Vortrages/der Rede, ist der erste Schritt auf dem Weg zu einer guten Klimakommunikation. Mein Ziel kann zum Beispiel sein aufzuklären, Wissen zu verbreiten, Menschen zu bilden. Oder mein Ziel kann sein, Angst zu machen, Bedrohlichkeit zu vermitteln und Panik auszulösen. Ein weiteres Ziel wäre, Menschen zu helfen, aus ihren Einstellungen („Ich möchte klimabewusster leben!“) Handlungen folgen zu lassen (z.B. weniger tierische Produkte essen) und gute Rahmenbedingungen dafür von der Politik einzufordern.

Dieses letzte Ziel sehen wir als am Wichtigsten an für die Erreichung von langfristiger Nachhaltigkeit und dem Erreichen er Ziele des Pariser Klimaabkommens. Deshalb wollen wir uns bei den Anregungen für die öffentliche Kommunikation hier auf dieses Ziel beschränken.

11 Tipps für öffentliche Kommunikation, die zum Handeln und Mitdenken anregt

Die Vermittlung von Sachwissen allein führt nicht zu Handlung. Wir können uns das bei der Klimakrise so vorstellen: Nur weil ich chemisch-physikalisch verstehe, wie sich die Atmosphäre zusammensetzt und wie deshalb der Treibhauseffekt zustande kommt, werde ich wahrscheinlich nicht meine Lebensgewohnheiten umstellen.

Was es aber sehr wohl braucht, sind Problemwissen und Handlungswissen. Wir müssen sehr wohl Wissen darüber haben, was das Problem ist (Die Erde erwärmt sich und das hat Folgen für das Leben der Menschen auf diesem Planeten) und was wir dagegen tun können (z.B. Wissen darüber, wie wir effektiv unseren CO2-Fußabdruck verringern können).

Es reicht also aus, wenn wir das Problem (und nicht dessen ursächlichen Einzelheiten) vorstellen – und im Anschluss daran genaue Handlungsmöglichkeiten mit Wirksamkeitsbelegen aufzeigen. Erst mit dieser Kombination entsteht Motivation zu langfristigem Handeln.


Quelle:

Hamann, K., Baumann, A., & Löschinger, D. (2016), Psychologie im Umweltschutz. Handbuch zur Förderung nachhaltigen Handelns. München:oekom, Seite 24ff.

 

Wir möchten durch das Handlungswissen eine problemorientierte Bewältigung des Problems erreichen, wir möchten, dass Menschen bewusst das Problem angehen und sich wirksam fühlen dabei.

Handlungswissen, das ausschließlich den privaten, individuellen Bereich abdeckt, ist problematisch. Bei ausschließlich individuellen Handlungen kann es zu einer überhöhten Verantwortungswahrnehmung und zu einem reduzierten Wohlbefinden kommen (Ojala, 2018). Wenn wir unser eigenes Leben auf den Kopf stellen und folglich versuchen in allen Bereichen: Mobilität, Ernährung, Energie etc. alles ganz richtig zu machen, dann kann dies zu einer starken Überforderung führen. Dann merken wir schnell: wir können nicht alles richtig machen – vor allem, weil die sozialen Normen und die Rahmenbedingungen unseres Alltags so gestaltet sind, dass ein großer CO2 Fußabdruck auch in Deutschland der Standard ist. Kurz: Wir können nicht immer ein Held oder eine Heldin unseres Alltags sein.

Als Entlastung und notwendige Erkenntnis sind daher Verweise auf politische Rahmenbedingungen, die mit Limits und Standards einhergehen, zu nutzen (siehe Kopatz, 2019). Wir leben im Moment in einer Welt, die uns permanent in umweltschädlichem Verhalten bestärkt. Das Schweineschnitzel aus der konventionellen Landwirtschaft ist billiger als das aus der ökologischen, Fliegen ist billiger als Bahn fahren, Onlinebestellungen sind bequemer als bei dem Laden nebenan einzukaufen.

Wenn wir alles richtig machen wollten, müssten wir uns also jeden Tag gegen dieses System und gegen unsere Gewohnheiten stellen – und das ist sehr anstrengend. Wenn wir aber politische Rahmenbedingungen mit sinnvollen Limits und Standards haben (wie zum Beispiel, dass jedes Lebensmittel/Kleidungsmittel etc. die verbrauchten Ressourcen preislich abbilden würden), dann würde es uns viel leichter fallen, uns für das günstigere, ökologische Schweineschnitzel oder die jetzt günstigere Bahnfahrt zu entscheiden.

In der öffentlichen Kommunikation können wir versuchen diesen Weg zu unterstützen, indem wir auf die politischen und partizipativen Möglichkeiten in unserem demokratischen System hinweisen und Menschen durch gute Beispiele und konkretes Handlungswissen dazu motivieren, sich gesellschaftlich und politisch einzusetzen.

Neben der entlastenden Funktion entspricht dies außerdem der Erkenntnis, dass wir für die Einhaltung der Ziele im Pariser Klimaabkommen auf politische und gesamtgesellschaftliche Veränderungen angewiesen sind.


Quellen:

  • Ojala, M. (2018). Eco anxiety. Medium – RSA Journal (4).
  • https://medium.com/rsa-journal/eco-anxiety-323056def77f
  • Kopatz, M. (2019). Schluss mit der Ökomoral. München: Oekom.

Wir alle leben unser Leben nach den uns wichtigen Werten und Einstellungen. Wir alle haben uns aus verschiedenen Gründen für unser eigenes Leben, wie wir es führen, entschieden und finden das in vielen Bereichen auch gut so. Das ist ganz normal, denn wir Menschen fühlen uns dazu angehalten, entsprechend unserer Werte zu leben und zu handeln, damit wir uns „konsistent“ und „authentisch“ fühlen.

Was passiert also, wenn unsere für uns sehr wichtigen Werte, plötzlich angegriffen werden? Wir geraten dann sehr schnell in eine Abwehrhaltung. Insbesondere, wenn wir mit existenzieller Bedrohung und/oder Unsicherheit konfrontiert werden, besinnen wir uns laut der „Terror Management Theorie“ stark auf unsere eigenen Werte und unsere eigene Identität (Greenberg, Solomon, & Pyszczynski, 1997; Van den Bos et al., 2005). Das bedeutet vor dem Hintergrund sozialer Normen und Gruppenorientierung auch, dass unsere „in-group“ (die Gruppe, zu der wir uns zugehörig fühlen), eine enorme Wichtigkeit bekommt und ihr positivere Eigenschaften zugeschrieben werden. Es bedeutet weiterhin, dass wir uns eher von unserer „out-group“ (Gruppen, denen wir nicht angehören, die andere Werte vertreten), abgrenzen wollen (für eine aktuelle Studie im deutschen Kontext, Schmitt & Maes, 2002).

Daher ist die Betrachtung von verschiedenen Werten und wie wir diese ansprechen, ganz entscheidend bei der öffentlichen Kommunikation.

Wir sollten zum einen versuchen Menschen in ihren Werten nicht persönlich anzugreifen und Lebensweisen zu kritisieren, sondern eher nach gemeinsamen Werten suchen, die deutlich machen, dass es eine gemeinsame „in-group“ gibt. Dass wir uns alle zum Beispiel um künftige Generationen sorgen oder dass uns die Erhaltung unseres Lebensraums ein wichtiger gemeinsamer Wert ist (Marshall, 2015 und climateoutreach.org).

Dieser Punkt spielt u.a. bei der Verwendung von Erzählungen (sogenannten Narrativen) eine wichtige Rolle. Wenn ich eine Erzählung der Klimakrise finde, welche die Werte meiner Zuhörenden ansprechen kann, fühlen diese sich in ihrer Sichtweise abgeholt und verstanden – und erkennen gleichzeitig in ihrem eigenen Wertesystem, dass der Klimawandel ein Problem darstellt. Ist mir, zum Beispiel, die Identität als Christ*in wichtig, reagiere ich auf eine andere Erzählung, als wenn meine Identität vor allem durch beruflichen Erfolg geprägt ist.

Je nach Zuhörerschaft kann und sollte also über die Klimakrise mit anderen Schwerpunkten kommuniziert werden. Eine Einfühlung in meine Gegenüber ist daher – wie auch im persönlichen Gespräch – bedeutsam für das Gelingen. 


Quellen:

  • Greenberg, J., Solomon, S., & Pyszczynski, T. (1997). Terror management theory of self-esteem and cultural worldviews: Empirical assessment and conceptual refinements. In M.P. Zanna (Ed.). Advances in experimental social psychology (29), S. 61-139. New York: Academic Press.
  • Van den Bos, K., Poortvliet, P.M., Maas, M., Miedema, J., & van den Harm, E.-J. (2005). An enquiry concerning the principles of cultural norms and values: The impact of uncertainty and mortality salience on reactions to violations and bolstering of cultural worldviews. Journal of Experimental Social Psychology (41), S. 91-113.
  • Schmitt, M. & Maes, J. (2002). Stereotypic ingroup bias as self-defense against relative deprivation: Evidence from a longitudinal study of the German unification process. European Journal of Social Psychology, 32, 309–326.
  • Marshall, G. (2015). Don’t even think about it: Why our brains are wired to ignore climate change. New York: Bloomsbury.

Dieser Punkt schließt an den vorherigen an und sagt uns, dass wir für verschiedene Zielgruppen, unterschiedliche Themen ansprechen müssen, damit die Information als relevant eingestuft wird.

Wenn wir zum Beispiel das Thema soziale Gerechtigkeit im Zusammenhang mit dem Klimawandel hervorheben, kann das z.B. bei Christ*innen und bei Menschen aus dem politisch linken Spektrum sehr stark wirken und zum Nachdenken anregen. Jedoch können genau dieselben Themen bei Menschen, denen Wirtschaftswachstum, technische Innovationen oder die nationale Sicherheit wichtig sind, entweder keine Reaktion oder eine abwehrende Reaktion auslösen.

Deshalb ist es sehr wichtig vor jedem Vortrag, vor jedem Gespräch zu prüfen, welche Werte hier abhängig von der Zielgruppe zentral sein könnten und die dargebotenen Informationen dementsprechend abzustimmen. Auch hier bedeutet dies konkret ein bestimmtes (sogenanntes) Framing und bestimmte Narrative zu benutzen. Die Nutzung von Narrativen wird hier nicht als Manipulation verstanden, sondern als Aufbereitung von Informationen, die wir sowieso tagtäglich für uns selbst leisten (auch hier: Marshall, 2015 und climateoutreach.org).


Quelle:

Marshall, G. (2015). Don’t even think about it: Why our brains are wired to ignore climate change. New York: Bloomsbury.

Eine sehr lange Zeit wurde die Klimakrise als etwas weit Entferntes, räumlich und zeitlich, dargestellt. Viele Menschen waren sich bewusst, dass es die Klimakrise gibt, aber auch, dass diese Krise nicht hier und nicht jetzt stattfindet.

Dieses Bewusstsein hat sich in den letzten zwei Dürresommern in Deutschland verändert. Wir konnten spürbar merken, dass die Klimakrise auch bei uns schon Einzug gehalten hat und dass sie unser Leben verändert. Unser Denken wird tagtäglich von einer Verzerrung bestimmt, die Psycholog*innen den „availability bias“ (Tversky & Kahneman, 1973) nennen. Eine Verzerrung im Denken, die dazu führt, dass wir uns immer nur der aktuellen Ereignisse sehr bewusst sind und diese für wichtig einstufen.

In der öffentlichen Kommunikation müssen wir daher versuchen diesen Effekt der Spürbarkeit und der Nähe immer wieder herzustellen. Das können wir zum Beispiel schaffen, indem wir Bilder aus Deutschland, aus der Region zeigen, welche die Folgen der Klimakrise darstellen.

Wir können aber auch die Zuhörenden befragen, ob sie schon Veränderungen in ihrem Leben oder in ihrer Umwelt beobachtet haben und diese dann in Zusammenhang mit der Klimakrise stellen, damit Menschen die Verknüpfung von Erfahrung und Wissen über die Klimakrise für sich selbst herstellen können und sich der aktuellen Relevanz des Themas bewusst werden (Center for Research on Environmental Decisions, Punkt 2 und 3).


Quellen:

  • Tversky, A. & Kahneman, D. (1973). Availability: A Heuristic for Judging Frequency and Probability. Cognitive Psychology (5), S. 207-232.
  • Center for Research on Environmental Decisions (2009). The Psychology of Climate Change Communication. A Guide for Scientists, Journalists, Educators, Political Aides, and the interested Public. New York.

Ständig orientieren wir uns bewusst oder unbewusst an unseren Mitmenschen. Unsere Mitmenschen sind für uns die wichtigste Informationsquelle, was angemessenes und bewährtes soziales Verhalten angeht. Wenn wir ein Verhalten bei anderen Menschen beobachten, können wir davon ausgehen, dass dies ein funktionierendes und angemessenes Verhalten ist. In Bezug auf die Klimakrise erleben wir heute häufig, dass sich unsere Mitmenschen der Krise offenbar gleichgültig gegenüber verhalten. Ihr CO 2 Fußabdruck bleibt der gleiche, wie vor dem verbreiteten Wissen über die Klimakrise.

Um diesen Effekt aber in der öffentlichen Kommunikation zu nutzen, können wir Menschen zu einem Vortrag, einer Rede einladen, die zu einer ähnlichen sozialen Gruppe gehören und sich untereinander kennen. Eine große Chance ist, wenn Vortragende als Teil der Gruppe und damit als vertrauenswürdig angesehen werden – also zum Beispiel jeweils ein*en Landwirtin, eine*n Schüler*in oder eine*n Ingenieur*in (Marshall, 2015, S. 116ff)

Nicht zu vergessen ist jedoch auch der große Effekt, den Diskussionen in der Familie und in engen Freundeskreisen auf die Wahrnehmung der Klimakrise haben (Goldberg, van der Linden, Maibach, & Leiserowitz, 2019). Wer sich also nicht traut einen Vortrag zu halten und vor vielen Menschen zu sprechen, der/die sei erinnert, dass ein Gespräch in der Familie oder auch nur mit einer*m Freund*in große Veränderungen herbeiführen kann. In diesen Situationen ist dem/der Sprechenden nämlich bereits eines im Voraus gegeben: Vertrauen und Glaubwürdigkeit.


Quellen:

  • Goldberg, M.H., van der Linden, S., Maibach, E., & Leiserowitz, A. (2019). Discussing global warming leads to greater acceptance of climate science. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America. 2019, 23

https://www.pnas.org/content/pnas/116/30/14804.full.pdf

  • Marshall, G. (2015). Don’t even think about it: Why our brains are wired to ignore climate change. New York: Bloomsbury.

Menschen haben verschiedene Wege Informationen zu verarbeiten, die u.a. in emotionale und sachliche Wege unterschieden werden kann. Wir können sehr abstrakt und rational über ein Thema Bescheid wissen und darüber sprechen und es gleichzeitig emotional nicht relevant finden. (Center for Research on Environmental Decisions, 2009, Punkt 3)

Wissenschaftliche Graphen, Tabellen und Fakten sprechen unser rational-abstraktes Denken an und lassen uns auf eine sachliche Art das Problem der Klimakrise verstehen. Sie schaffen es aber häufig nicht, unser emotionales Denken mitzunehmen und uns das Gefühl der Bedrohlichkeit und der Handlungsnotwendigkeit zu vermitteln.

Wie schaffen wir es also persönliche und emotionale Relevanz zu vermitteln? Indem wir, wie bereits angesprochen, persönliche und aktuelle Erfahrungen der Zuhörenden mit einbeziehen und somit Raum für die passende Erzählweise und persönliche Geschichten geben.

Wenn wir in die Vergangenheit der Menschheit schauen, sehen wir, dass Geschichten schon immer einen großen Stellenwert in der menschlichen Kultur und Zivilisation gehabt haben. Menschen nutzten schon immer Geschichten, um sich die Welt zu erklären und ihr Sinn zu geben. Mit Geschichten ist es wie mit der sozialen Norm bei dem persönlichen Verhalten – sie helfen uns bei der Orientierung an anderen Menschen, bei der Einordnung von Fakten in einen größeren Kontext.

Daher sollten Vortragende Geschichten von sich erzählen, die auch gerne einen Wendepunkt haben können. Menschen, die dabei öffentlich von ihren eigenen Fehlern sprechen und sich selbst als menschlich zeigen, gewinnen das Vertrauen der Zuhörenden viel eher, als Menschen, die von Fakten sprechen und davon, dass sie immer alles richtig machen (Marshall, 2015).

Gerade, wenn wir in einem ambivalenten sozialen Zusammenspiel (und das ist ein Vortrag mit anschließender Podiumsdiskussion häufig) zusammenkommen, lassen wir uns viel schneller von persönlicher Sympathie, als von objektiver Wahrheit leiten. Eine weitere Möglichkeit Geschichten („Storytelling“) einzubauen ist, die Zuhörenden selbst nach Erfahrungen zu befragen und sich darüber austauschen zu lassen (Marshall, S.105).


Quellen:

  • Center for Research on Environmental Decisions (2009). The Psychology of Climate Change Communication. A Guide for Scientists, Journalists, Educators, Political Aides, and the interested Public. New York.
  • Marshall, G. (2015). Don’t even think about it: Why our brains are wired to ignore climate change. New York: Bloomsbury.

Zu Beginn hatten wir das Ziel formuliert langfristige Handlungen und Veränderungen anstoßen zu wollen und in dem vorherigen Punkt haben wir gesehen, dass ein Ansprechen des emotionalen Denkens ein wichtiger Schlüsselfaktor bei der öffentlichen Kommunikation ist.

Allerdings ist die Dosis hier entscheidend: ein Zuviel an Emotionalität und vor allem ein Zuviel von Bedrohlichkeit, Angst, vielleicht auch Wut, kann zwar zu einem starken Handlungsimpuls der Zuhörenden führen, der jedoch nur kurzfristig anhält (Hamann, K., Baumann, A., & Löschinger, D., 2016, S. 96ff). Dies hat u.a. den Grund, dass die freigesetzten Energien nur kurzfristig vorhalten und eher der emotionsorientierten Bewältigung dienen, als der problemorientierten. Wir nutzen die Energie dann vorrangig dafür uns besser zu fühlen (Angst und Bedrohlichkeit zu reduzieren), statt das Problem zu lösen.

Dieser Mechanismus hängt nach der Appraisal Theorie von Lazarus (1991) stark mit der Wahrnehmung der eigenen Ressourcen zusammen. Diese Ressourcen zu stärken, kann auf der einen Seite zu einer problemorientierteren Bewältigung führen, reicht aber auf der anderen Seite nicht unbedingt aus, wenn die Emotionen so stark hochgefahren und nicht wieder eingefangen wurden.

Daher ist im Zuge von Vorträgen nur von einem stark begrenzten Einsatz von Emotionen, die zum Verständnis des Problemwissens beitragen, zu raten und darüber hinaus ein großer Fokus auf Handlungswissen und Lösungsansätze zu legen, damit Menschen nicht hoffnungslos und ängstlich den Vortrag verlassen – und statt konstruktiven Handelns ein ungünstiger Abwehrmechanismus angestoßen wird. Eine weitere Möglichkeit, um Emotionen wieder einzufangen, könnte auch sein, einen Austausch unter den Zuhörenden über das soeben Gehörte anzuregen. Hierbei wird die Kraft des sozialen Miteinanders genutzt, ein*e jede*r fühlt sich dann nicht mehr allein mit seiner/ihrer Interpretation der Informationen.


Quellen:

  • Hamann, K., Baumann, A., & Löschinger, D. (2016), Psychologie im Umweltschutz. Handbuch zur Förderung nachhaltigen Handelns. München:oekom, Seite 24ff.
  • Lazarus, R.S. (1991). Progress on a cognitive-motivational-relational theory of emotion. American Psychologist, 46 (8), 819-834.

Auch in diesem Punkt spiegelt sich die Relevanz der sozialen Normen wider. Menschen orientieren sich stark an ihren Mitmenschen und an der Atmosphäre in einer Gruppe. Daher sind Momente, in denen sich Einzelne oder die Gruppe der Zuhörenden als Ganze, zu einer Verhaltensänderung öffentlich verpflichten sehr wertvoll, um den „inneren Schweinehund“ zu überkommen. Selbst wenn ich die Menschen, vor denen ich gesagt habe, ich werde ab jetzt vegan essen, nie wiedersehe, fühle ich mich eher verantwortlich die Veränderung umzusetzen, als wenn ich diesen Entschluss nur für mich behalten hätte (Hamann, K., Baumann, A., & Löschinger, D., 2016, S. 31f).

Außerdem spielt dieser Punkt eine große Rolle gerade bei dem Thema Klimakrise, das uns häufig allein mit unseren Lebensgewohnheiten zurücklässt. Wir hören zum Beispiel in einem Vortrag: „Und unsere Lebensgewohnheiten von heute sind Teil der Ursachen, wir müssen umdenken, alles anders, alles neu machen.“ und fühlen uns danach in unserem alltäglichen Leben bei alltäglichen Entscheidungen schuldig und stark verantwortlich.

Wenn aber ein Vortrag oder ein Workshop es schafft, Menschen kollektives Handeln und kollektives Commitment aufzuzeigen, dann wird dieser z.T. schwierige Effekt der problemorientierten Verantwortungsübernahme gemildert.

Zudem finden wir Menschen, die ähnliche Ziele verfolgen und denen wir uns anschließen können. Idealerweise können wir auch im Diskurs inspiriert und politisiert werden, den Horizont für andere Narrative erweitern und somit der Polarisierung etwas entgegensetzen.


Quelle:

Hamann, K., Baumann, A., & Löschinger, D. (2016), Psychologie im Umweltschutz. Handbuch zur Förderung nachhaltigen Handelns. München:oekom, Seite 24ff.

Das Thema Klimakrise ist im Kern kein positives, optimistisches und hoffnungsvolles Thema. Wenn wir uns also ständig mit diesem Thema beschäftigen, vielleicht auch schon seit längerer Zeit, kann man leicht die eigene Zuversicht verlieren, weil politische Veränderungen nicht stark genug, nicht schnell genug und nicht tiefgreifend genug kommen.

Manche Vortragende zum Thema Klimakrise neigen dazu, nur negative, hoffnungslose und pessimistische Fakten zu zeigen, die uns das Problem einfach noch mehr verdeutlichen sollen. Menschen leben aber von der Zuversicht. Wenn wir trotz eines Problems die Zuversicht nicht verlieren, sind wir auch motiviert zu handeln, denn ansonsten könnten wir es ja auch sofort ganz lassen.

Es ist also die Aufgabe eines Vortragenden und eine*s*r jeden, der/die sich mit dem Thema Klimakrise beschäftigt, Lösungen zu suchen und zu vermitteln. Das Problem immer wieder vor der aktuellen Lage neu zu bewerten und positives auch aus den kleinen Veränderungen zu ziehen.

Wir sehen in einer Studie (Ojala, 2018), dass problemorientiertes Handeln uns ein Gefühl von sehr großer, manchmal überwältigender Verantwortung gibt, die bei einem so großen und komplexen Thema nur schwer auszuhalten und auch nicht gerechtfertigt ist. Denn nur wir als Einzelne können es nicht schaffen.

Wir brauchen deshalb Vertrauen in den politischen Prozess, in sozialen Wandel und in einzelne Autoritäten. Wir brauchen Zuversicht in die Menschheit, dass wir dieses Problem lösen werden. Diese Zuversicht und dieses Vertrauen kommen nicht von alleine, schon gar nicht bei diesem Thema. Deshalb ist es wichtig, Anregungen dafür explizit in Vorträge mit einzubauen und selber zu spüren, um sie glaubhaft vermitteln zu können (Center for Research on Environmental Decisions, 2009, Punkt 2; Marshall, 2015, S. 233).


Quellen:

  • Ojala, M. (2018). Eco anxiety. Medium – RSA Journal (4). https://medium.com/rsa-journal/eco-anxiety-323056def77f
  • Center for Research on Environmental Decisions (2009). The Psychology of Climate Change Communication. A Guide for Scientists, Journalists, Educators, Political Aides, and the interested Public. New York.
  • Marshall, G. (2015). Don’t even think about it: Why our brains are wired to ignore climate change. New York: Bloomsbury.

Ein Bumerang-Effekt bedeutet, dass ein Gerücht oder eine Falschinformation nach einem Disput noch stärker haften bleibt – in dem sie zum Beispiel durch die pure Benennung geläufiger werden.

Wenn Vortragende Falschinformation und Gerüchte nochmal erwähnen müssen, ist es daher gut, unmittelbar einen klaren Hinweis zu geben, dass die jeweilige Information falsch  (“Sonnenflecken gibt es – sie sind aber eindeutig nicht relevant für die Klimakrise, und entscheidend ist deswegen…”) oder irrelevant ist (“Überbevölkerung ist nicht relevant für die Debatte, da diese Länder für den geringsten Teil der CO2 Emission verantwortlich sind.)”

Wichtig ist, dass ein widerlegtes Gerücht im Kopf keine „Lücken“ hinterlässt. Neben Erklärungen für widerlegte Informationen ist daher gut, Motive dafür zu benennen, warum das Gerücht überhaupt verbreitet wurde ( z.B. Falschinformationen  aus wirtschaftlichen Interessen).

Der Bumerang Effekt kann auch dadurch befördert werden, dass zu viele Informationen aufgezählt werden.  Daher gilt für Vortragende das Motto: „Weniger ist mehr!“. Hilfreich ist ein klarer Fokus auf die wichtigste Botschaft, um Falschinformation zu widerlegen.


Quelle:

Cook, J. & Lewandowsky, S. (2011), The Debunking Handbook. St. Lucia, Australia: University of Queensland. November 5. ISBN 978-0-646-56812-6

Autorin: Lea Fischer