Presseerklärung
zur drohenden Zerstörung des Dorfes Lützerath

Rheinisches Revier: Psycholog*innen warnen vor zunehmender gesellschaftlicher Spaltung

Die Psychologists/Psychotherapists for Future (Psy4F) sehen die aktuelle Zuspitzung um das von Enteignung und Zerstörung bedrohte Lützerath mit Sorge. Eine solche Enteignung, die dem Gemeinwohl nicht dient, sondern schadet, wird ihrer Einschätzung nach mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer weiteren Verletzung des Gerechtigkeitsempfindens klimabesorgter Bürger*innen führen und birgt die Gefahr einer zunehmenden gesellschaftlichen Spaltung sowie Radikalisierung der Klimabewegung.

„Das Dorf Lützerath droht zum Symbol für die Perversion und das Korrumpieren unseres wirtschaftlichen und politischen Systems zu werden.“

„Das Dorf Lützerath droht zum Symbol für die Perversion und das Korrumpieren unseres wirtschaftlichen und politischen Systems zu werden“, so Mit-Initiatorin der Psychologists/Psychotherapists for Future Lea Dohm. Sie fügt hinzu: „Lützerath könnte auch ein historischer Ort des Umdenkens und Wandels sein, wie es von der breiten Bevölkerung gewünscht wird“. Sophie Deußer, aktiv bei Psychologists for Future Düsseldorf in der Nähe von Lützerath, ergänzt: „Durch den Abbau eines solchen Dorfes werden genau die lange gewachsenen, solidarischen Strukturen zerstört, die wir im jetzigen gesellschaftlichen Veränderungsprozess so dringend brauchen.“

Die gesellschaftliche Akzeptanz für die Enteignung und Zerstörung weiterer Dörfer im Rheinland ist in der Bevölkerung nicht gegeben. Laut der PHAASE Studie (Planetary Health Action Acceptance Study Erfurt) unter der Leitung von Prof. Dr. Cornelia Betsch befürworten 70-90% der Anhänger*innen aller verhandelnden Koalitionsparteien die konsequente Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen, wie sie zuletzt vom “Bürgerrat Klima” empfohlen wurden. Weitere Ergebnisse der Studie zeigen zudem, dass das Vertrauen der Menschen bzgl. eines guten Umgangs mit der Klimakrise in Bezug auf die Wissenschaft hoch ist (55%), dem Handeln der Bundesregierung wird hingegen mit 22% nur ein deutlich geringeres Vertrauen entgegengebracht [1].

Das Dorf Lützerath, das am Rande des Braunkohle-Tagebaus Garzweiler II liegt und ab Oktober 2021 rückgebaut werden soll, wird aktuell zum Symbol für die deutsche Klimaschutzpolitik: Um Zugang zu den dortigen Braunkohle-Reserven zu erhalten, versucht RWE aktuell, einen verbleibenden landwirtschaftlichen Generationenbetrieb zu enteignen. Laut DIW (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) darf der Tagebau nicht erweitert werden, um die in Paris völkerrechtlich verbindlich vereinbarte Grenze von 1,5 Grad Erderhitzung noch einhalten zu können. Die Zerstörung weiterer Dörfer am Tagebau Garzweiler II ist zudem energiewirtschaftlich nicht notwendig [2].


Quellen: 

[1] Universität Erfurt (2021). Planetary Health Action Acceptance Study Erfurt (PHA2SE). Ergebnisse aus dem wiederholten querschnittlichen Monitoring von Wissen, Risikowahrnehmung, Vertrauen, Einstellungen und Verhalten in der Klimakrise: projekte.uni-erfurt.de/pha2se

[2] Oei, P., Braunger, I., Rieve, C. et al. (2020). Garzweiler II: Prüfung der energiewirtschaft­lichen Notwendigkeit des Tagebaus Gutachten. Berlin 2020.